Es war nicht zu übersehen. An allen Traarer Ortseinfahrten wiesen die eigens für das Schützenfest aufgestellten Schilder auf das Königreich hin. Noch am Vorabend wurde im ganzen Dorf gehämmert und geschraubt, um gleichzeitig Häuser, Gärten und insbesondere die Hauptquartiere der Schützengruppen mit Fahnen, Maien oder selbst gedrehten Papierröschen farbenprächtig zu schmücken.
Nach vier und gefühlt viel zu langen Jahren sollte hier über Pfingsten endlich wieder das Traarer Schützenfest unter dem Regiment des Königshauses um König Norbert I. und Königin Esta I. stattfinden.
Um es gleich vorwegzunehmen: Es war für die über 480 Schützen und das Traarer Volk nebst zahlreichen Gästen abermalig ein voller Erfolg. Im Großen und Ganzen stand auch diesmal der Wettergott auf Seiten der Schützen.


Samstag, 23. Mai 2015
Offiziell begann das Schützenfest wie gewohnt mit dem Generalappell auf der Lindenallee. Da General Hartmut Schymitzek krankheitsbedingt bedauerlicherweise am Schützenfest nicht teilnehmen konnte, sprang Festmajor Jörg Platen in die Bresche und nahm diesmal auch die Aufgaben des Generals wahr. So konnte er sich gleich beim ersten Appell von der imposanten Stärke der Truppe überzeugen und entsprechend selbstbewusst Meldung an König Norbert I. vornehmen. Spätestens hier war bereits allen Beobachtern klar, dass es Königsuntreuen angst und bange werden musste.
Nach dem Generalappell gedachten die Schützen zunächst am Ehrenmal neben der Kirche der Toten. Hierbei wurde auch die vom Verberger Künstler Franz-Josef Vanck gestaltete Stele enthüllt, die an die 155 in beiden Weltkriegen als Soldaten gefallenen Traarer Bürger erinnern und gleichzeitig als Mahnmal dienen soll.
Im Anschluss an diese ergreifende Zeremonie, die von der Trachtenmusikkapelle Unternberg dem Anlass entsprechend musikalisch gestaltet wurde, begannen die Feierlichkeiten im großen Schützenzelt. Über 1.300 Besucher begrüßten mit stehenden Ovationen das Königshaus beim Einmarsch. Als Königstruppe fungierte wie auch für die gesamte Festzeit die Heimatgruppe von König Norbert I. und seinen Ministern, die Preußische Infanterie unter Leitung des Kommandeurs Karl-Heinz Krouß. Im Zuge des folgenden Festbanketts, durch welches wieder einmal souverän Dr. Walter Potthast als Präsident des Bürgerschützenvereins führte, konnten Gäste wie der Krefelder Oberbürgermeister Gregor Kathstede und die Abgeordneten der benachbarten Schützenvereine aus Verberg, Bockum und Fischeln freundschaftliche Grüße aus den anderen Stadtteilen aussprechen und dem Traarer Fest einen schwungvollen weiteren Verlauf wünschen.
Die gelungene musikalische Umrahmung oblag einerseits der Trachtenmusikkapelle Unternberg und andererseits dem Ensemble KonTakte, welches sich aus der Orchestervereinigung Traar sowie dem Orchester der Musikschule der Stadt Krefeld zusammensetzte. König Norbert I. ließ es sich selbst nicht nehmen und wandte sich anschließend mit launigen Worten an sein Volk, was ihm mit langanhaltendem Applaus und Begeisterungsstürmen gedankt wurde - mit Ausnahme der Freien Bauern, die zu diesem Zeitpunkt bereits zunehmend ihr Missfallen gegenüber dem König zum Ausdruck brachten.
Schließlich zogen die Freien Bauern mit musikalischem Geleit der Spielfreunde Uerdingen hinauf zum Königsthron, wo Burengeneral Herbert Busch das Wort ergriff, dem Königshaus allerlei Missstände vorhielt und für deren Beseitigung ein Ultimatum bis zum Sonnenaufgang stellte. Für den Thron erwiderte Kriegsminister Heinz-Eugen Rinsch, der die Freien Bauern in die Schranken wies und seinerseits den erbärmlichen Zustand der Freien Bauern aufs Korn nahm.
Höhepunkt des ersten Abends war gegen 21.30 Uhr der Große Zapfenstreich auf dem Kirchplatz. Unter dem Kommando von Jörg Platen marschierten alle uniformierten Schützengruppen in Begleitung von mehr als 100 Fackelträgern auf und lauschten aufmerksam den Klängen der Trachtenmusikkapelle Unternberg sowie des Tambourkorps Mündelheim. Im Anschluss wurden die Feierlichkeiten feuchtfröhlich im Schützenzelt als Krönungsball fortgeführt. Die Kapelle Soundconvoy trug mit fetzigen Tönen dazu bei, dass schon am ersten Abend die Tanzfläche fleißig nach der Devise „An Tagen wie diesen….wünscht man sich Unendlichkeit“ genutzt wurde.

Sonntag, 24. Mai 2015
Ein herrlicher sonniger Tag wartete auf die Festivitäten am Pfingstsonntag, der den Schützen ein frühes Wecken abverlangte. Bereits um 9 Uhr begann das Festhochamt auf dem Kirchplatz, welches durch Pfarrer Karl-Heinz Teut, den ursprünglich aus Traar stammenden Monsignore Heribert August und Pater Dr. Dr. Jean-Bertrand Madragule Badi zelebriert wurde. Die Trachtenmusikkapelle Unternberg spielte hierzu die Deutsche Messe von Schubert.
Beim anschließenden Kleinen Festzug sprang das farbenfrohe kongolesische Gewand von Pater Badi ins Auge, als er gutgelaunt zwischen den Schützengruppen im Zug mit lief und für einen besonderen Farbtupfer sorgte.
Im Rahmen dieses Festumzuges konnten die bis in die Haarspitzen motivierten Schützen ihre Fitness und ihren Respekt vor König Norbert I. in Form eines zackigen Stechschritts ausdrucksvoll unter Beweis stellen. Zur Belohnung wartete sodann ein zünftiger und musikalischer Frühschoppen auf dem Festplatz. Etwas getrübt wurde die hervorragende Stimmung lediglich durch den Umstand, dass die Freien Bauern dem König und seinem Gefolge nach der beeindruckenden Parade den Krieg erklärten und Burengeneral Herbert Busch eine entsprechende Urkunde an König Norbert I. übergab.
Nach dem Antreten auf der Kemmerhofstraße folgte nachmittags der Große Festzug, der von Tausenden Besuchern an den Straßenrändern begeistert gefeiert wurde. Neben den prächtigen Kutschen des Königshauses überzeugten die zahlreichen Blaskapellen und Spielmannszüge ebenso wie die schicken Amazonen hoch zu Rosse. Als besondere Attraktionen konnten im Zug auch wieder die vierspännigen Geschütze der Schweren Artillerie sowie die über 100 Jahre alte von einem Pferdegespann gezogene Feldküche der Historischen Sappeure bestaunt werden.
In Anerkennung der respektablen Marschier- und Laufleistungen wurden den Umzugsteilnehmern reichlich Getränke von den Straßenrändern aus gereicht - eine wie zu jedem Schützenfest aufmerksame und erfreuliche Geste der Anwohner. Wem es gefiel, konnte im Anschluss an den Umzug noch auf dem Marktplatz dem Platzkonzert lauschen und sich bei herrlichem Sonnenschein einfach nur wohl fühlen. Die gemeinsame Darbietung mehrerer Märsche durch die zwölf Musikzüge war sehr ergreifend und wurde mit großem Applaus bedacht Ein weiteres Highlight wartete abends im Schützenzelt auf die Besucher - der Schützenball mit musikalischer Unterstützung der seit Jahren erfolgreich engagierten Band „Heavens Club“ (früher bekannt als „No Limit“). Die Begeisterung des Publikums kannte keine Grenzen mehr, als bei bereits kochender Stimmung mit Victoria das meist gebuchte Helene Fischer-Double auftrat und atemlos über die Bühne tanzte und ihre großen Hits sang.
Aber auch ein so gelungener Abend neigte sich dem Ende zu, so dass sich die Schützengruppen - auch in gespannter Erwartung kommender Anstrengungen - in ihre Hauptquartiere zurückzogen, wo sie unbestätigten Gerüchten nach bis in die frühen Morgenstunden unter Zuhilfenahme stützender Getränke an ihren Kampfstrategien gefeilt haben sollen.


Montag, 25. Mai 2015
Der Wettergott meinte es - je nach Sichtweise - gut mit den Schützen und schickte Regen, so dass der geplante Generalappell und der Kleine Festumzug einschließlich Parade vormittags abgesagt wurden. Stattdessen trafen sich alle Mitwirkenden gleich zu einem musikalischen Frühschoppen im Festzelt. Wer sich bisher noch keinen „Urlaubsschein“ für die Festtage besorgt hatte, konnte sich diesen gegen eine Gebühr (Spende für die Traarer Kindergärten) von den Altschützen unter Leitung von Kommandeur Alois Poen ausstellen lassen.
Das Königshaus hatte im Vorfeld des Schützenfestes ebenfalls verlautbart, dass es anstelle von Präsenten oder Blumen lieber Geldspenden für gemeinnützige Zwecke (nämlich die finanzielle Unterstützung der Krefelder Kinderheime Kastanienhof und Bruckhausen) wünschte. Diesen Wunsch beherzigten die Schützengruppen sehr gerne und übergaben ihre Geldgeschenke an den Thron.
Die gute Stimmung an diesem Pfingstmontag wurde etwas getrübt durch Vandalismusschäden (u. a. Fahnenmasten und Beschilderungen), die in der Vornacht offensichtlich durch Ortsfremde verübt wurden - eine bedauernswerte, bisher bei Traarer Schützenfesten nicht gekannte Erscheinung. Da sich im Laufe des Tages die Sonne wieder zeigte, konnte um 16 Uhr planmäßig der Große Festzug, diesmal mit leicht geänderter Route über die Bärenstraße, stattfinden. Wie am Pfingstsonntag erfreuten die Musikgruppen zum Abschluss des Festzuges wiederum mit herzerfrischenden Klängen beim Platzkonzert auf dem Rathausplatz.
Zum allgemeinen Bedauern mussten am frühen Abend die knapp 50 Mitglieder der Unternberger Trachtenmusikkapelle verabschiedet werden. Auf sie wartete noch eine fast 12-stündige Busfahrt in den österreichischen Lungau. Der Abschied fiel umso schwerer, als die Musikanten aus dem Salzburger Land zum mittlerweile 6. Mal beim Traarer Schützenfest teilgenommen haben und eine enge freundschaftliche Verbindung zwischen Traar und Unternberg entstanden ist. Vereinsobmann Thomas Santner und Armin Fingerlos als musikalischer Leiter der Trachtenkapelle ließen bei der Verabschiedung keinen Zweifel aufkommen, dass Traar auch in vier Jahren wieder von der gewohnten optischen und musikalischen Unterstützung ausgehen darf.
Sensationelles sollten an diesem Pfingstmontag die Besucher beim abendlichen Bürgerball im Festzelt erleben. Nachdem zunächst die „Oedingsche Jonges“ das Publikum mit flotten Rhythmen eingeheizt hatten, brachte anschließend die Band „Heavens Club“ wie am Vorabend die Stimmung mit aktuellen Hits auf den Höhepunkt. Und dann geschah es: Unter den erstaunten Blicken der Anwesenden geleitete plötzlich der Burengeneral Herbert Busch - durchaus mit einem verschmitzten Gesichtsausdruck - Königin Esta I. vom Königsthron zur Tanzfläche, um dort der Königin bei einer flotten Tanzeinlage ein entspanntes Lächeln abzuringen. Die Gunst der Stunde nutzten nun auch weitere Freie Bauern und ihre Marketenderinnen, um das komplette Königshaus auf die Tanzfläche zu locken unter dem Tagesmotto „I sing a Liad für di“. Ein ungewohntes Bild, welches so manchen Schützen stutzig und vielleicht auch etwas neidisch werden ließ?
Wer wollte, konnte sich dann später nach Mitternacht - natürlich nur bei Beantwortung anspruchsvoller Fragen des Einlassoffiziers - von dem Stehvermögen des Königshauses im königlichen Hauptquartier der Preußischen Infanterie überzeugen. 


Dienstag, 26. Mai 2015
Nach den physischen und mentalen Anstrengungen des Vortages durften die Schützen heute etwas länger schlafen, um sich am späten Vormittag am Golfclub Elfrather Mühle im Rahmen eines Frühschoppens auf die erwarteten Kämpfe mit den Freien Bauern intensiv vorzubereiten. Als sehr hilfreich erwiesen sich hierbei die von der 2. Kompanie der Historischen Sappeure mitgebrachten sogenannten „Bier-Pong“-Tische. An diesen Tischen hatten die verschiedenen Schützengruppen (und sogar auch Mitglieder des Königshauses!) ausgiebig Gelegenheit, ihre Geschicklichkeit beim Ballwerfen zu trainieren und gleichzeitig das nötige Zielwasser zu sich zu nehmen. König Norbert I. war die Zufriedenheit - die er mit durchweg eindeutigen Kopfbewegung quittierte - über den Zustand seiner Truppe  anzumerken.
Nachdem sich die Schützengruppen im Anschluss an diese aufschlussreiche Vorbereitungs- und Trainingseinheit mittags in ihren Hauptquartieren gestärkt hatten, konnte abermals der Große Festzug mit Antreten auf der Lindenallee beginnen. Diesmal sollte der Zug jedoch am Sportplatz Buscher Holzweg jäh gestoppt werden. Die noch am Vorabend so friedliebend aufgetretenen Freien Bauern hatten quer über die Straße Holzbarrikaden aufgetürmt. Wassergefüllte Luftballons flogen den Königstreuen im Festzug plötzlich entgegen - die (Wasser-) Schlacht begann. Nicht nur, dass sich die Freien Bauern zwischenzeitlich zum kriegerischen Rebellentum entschieden hatten, sogar die ansonsten überaus königstreuen Blauen Schill‘schen Offiziere unter Führung von Andreas Heinrich erwiesen sich als abtrünnig und liefen überraschend zu den Rebellen über. Zunächst sah es kurzzeitig tatsächlich nach einem Erfolg der anzahlmäßig verstärkten Rebellen aus, doch griffen nun die bestens vorbereiteten und mit einem enormen Waffenarsenal ausgestatteten Jungschützen in das Geschehen ein. Aufmerksame und fachkundige Beobachter hegen die Vermutung, dass diesmal die Wasserbomben der Jungschützen einen deutlich härteren Wassergrad aufwiesen und so die Rebellen letztendlich in die Knie zwingen konnten. Von untergeordneter Bedeutung stellte sich heraus, dass die historische Kanone „Dicke Berta“ der Altschützen zwar wie gewohnt unüberhörbar die Ballgeschosse von sich gab, diese allerdings weit über die Rebellen hinweg schoss. Vermutlich handelte es sich hierbei um ein simples Ablenkungsmanöver der äußerst routiniert wirkenden Altschützen.
Letztlich konnten die energiegeladenen und bis in die Haarspitzen motivierten Jungschützen etliche und teilweise „verwundete“ Abtrünnige in Gefangenschaft nehmen und abführen. Unter den Erstgefangenen sollen sich überraschend zahlreiche und gut ansehnliche Marketenderinnen befunden haben.
Den meisten Zuschauern war darüber hinaus ebenso nicht entgangen, dass Burengeneral Herbert Busch am Ende der Kämpfe in Gedanken versunken darüber sinnierte, warum ausgerechnet sein eigener Sohn Lukas auf Seiten der königstreuen Jungschützen „seinen“ Rebellen eine derartig deftige Niederlage beigefügt hatte. Wie sich allerdings später herausstellen sollte, hatten es einige verwegene Abtrünnige während der Kämpfe doch noch geschafft, nicht nur selbst zu entkommen, sondern hierbei sogar die Königin und alle vier Ministerfrauen zu entführen. Unter großem Applaus wurden abends die er folgreichen königstreuen Truppen im Festzelt empfangen.
Frenetischer Jubel brandete erst recht auf, als die Jungschützen ihre Gefangenen vor den Königsthron geleiteten und dort stolz präsentierten. Es kam, wie es kommen musste: Reumütig erklärten die Rebellen, dass sie dem König zukünftig wieder die Treue erweisen und die Königin und die Ministerfrauen im Tausch gegen die Begnadigung der Gefangenen sowie ein großes Fass Bier wieder freilassen würden. König Norbert I. zeigte sich großzügig und begnadigte die Abtrünnigen mit einer Bewährungsfrist von 3 Jahren. Somit war im Königreich wieder Frieden eingekehrt.


Abschluss
König Norbert I. bedankte sich überschwänglich nochmals bei seinem begeisterten Volk und seinen zahlreichen Unterstützern für das wunderschöne Fest. Präsident Dr. Walter Potthast zeigte sich äußerst zufrieden mit dem harmonischen Verlauf der Festtage, dankte ebenso den vielen Mitwirkenden, Helfern und Mitgestaltern und freute sich schon auf das nächste Vogelschießen im Jahre 2018 sowie das sich anschließende Schützenfest im Jahre 2019. Der offizielle Teil des Schützenfestes endete danach traditionell mit dem Großen Zapfenstreich im Festzelt unter dem Kommando von Jörg Platen und musikalischer Darbietung des Blasorchesters TV Jahn Bockum sowie des Tambourkorps „Rheinklang“ Mündelheim.
Inoffiziell klang das sehr gelungene Schützenfest anschließend in den Standquartieren einiger Schützengruppen aus. Dort waren die Uniformen bunt gemischt und die Stimmung prächtig. Alle freuten sich über ein wunderschön verlaufenes Schützenfest!